Düsseldorf, 30.06.2026. Am heutigen Dienstag endet der offizielle Umsiedlungszeitraum am Tagebau Garzweiler. Dieser Schritt markiert einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Beendigung des Kohleabbaus im Rheinischen Revier. Antje Grothus, Sprecherin für nachhaltigen Strukturwandel der Grünen Fraktion, kommentiert diesen Tag wie folgt:
„An diesem Dienstag endet eines der schmerzhaftesten Kapitel des Rheinischen Reviers. In den letzten hundert Jahren wurden rund 40.000 Menschen aus ihrem Zuhause umgesiedelt, um dem Kohleabbau Platz zu machen. Im Rheinischen Revier wurden an die 130 Ortschaften und Weiler für die Braunkohle zerstört. Diese Erfahrungen haben tiefe Wunden bei den Menschen und im kulturellen Gedächtnis der Region hinterlassen. Damit die Opfer, die diese Menschen erbracht haben, nicht in Vergessenheit geraten, gebührt ihnen ein angemessener Raum in der Geschichtsdarstellung in NRW und insbesondere in den geplanten Dokumentations- und Informationszentrenten im Revier.
Es ist insbesondere dem langjährigen Protest und dem Engagement der verbliebenen Bewohner der Garzweiler Dörfer und unterstützenden Initiativen zu verdanken, dass dort fünf Dörfer und drei Feldhöfe bleiben.
Die erhaltenen Ortschaften sollen zu Orten der Zukunft reaktiviert werden, wofür viele Millionen Euro aus der Förderung des Strukturwandels bereitstehen. Für ihre Idee des ‚Demenzdorfes‘ als Dorf im Dorf mit abgetrennten Straßenzügen und betreuten Wohnmöglichkeiten in Keyenberg erhielt die Dörfergemeinschaft KulturEnergie 2023 einen mit 20.000 Euro dotierten Preis des Bundesministeriums für Bauen und Wohnen. Das zeigt: Die Dörfer haben nach wie vor eine engagierte, kreative und innovative Bewohnerschaft, die eng in die Planungen einbezogen werden sollte.“
Zum Hintergrund
Das Ende des formellen Umsiedlungsstatus markiert das Ende einer Ära im Rheinischen Revier. Damit enden verbindliche Regelungen zum Verkauf von Grundstücken an RWE und zum Grundstückserwerb in den neu gebauten Umsiedlungsorten. Ab nun können diese Grundstücke und Immobilien frei gehandelt werden. RWE plant den Verkauf von ca. 550 Objekten, die im Zuge des vorgezogenen Kohleausstiegs erhalten blieben.
In der Leitentscheidung 2023 ist festgehalten: „Unter Berücksichtigung der Dauer des Umsiedlungszeitraums und der Interessen der Menschen vor Ort sowie der angedachten Neugestaltung der Dörfer wird das förmliche Umsiedlungsende auf den Stichtag 30.06.2026 festgelegt“
Im NRW-Zukunftsvertrag zwischen CDU und Grünen ist als politische Zielsetzung festgehalten: “Alle Dörfer des dritten Umsiedlungsabschnitts werden wir erhalten“. Im Eckpunktepapier zum Kohleausstieg zwischen MWIKE, BMWK und RWE ist vereinbart, dass “ab sofort keine Umsiedlungen mehr gegen den Willen der Betroffenen erfolgen”. “Der Erhalt der Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath sowie der Holzweiler Höfe (Eggerather Hof, Roitzerhof, Weyerhof), jeweils mit einem angemessenem Abstand” zum Tagebau ist auch in §48 KVBG gesetzlich verankert.
Bereits 2016 wurde unter der damaligen rot-grünen Landesregierung das Abbaugebiet des Tagebaus Garzweiler II verkleinert, um die Ortschaft Holzweiler zu erhalten.

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