Am Dienstag, den 03. März 2026, fand im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath die Podiumsdiskussion „Wandel.Wurzeln.Widerstand – Protestkultur als Teil des kulturellen Erbes“ statt. Unter der Moderation der grünen
Landtagsabgeordneten Antje Grothus diskutierten Dr. Simon Teune (politischer Soziologe), Dr. Annette Schneider-Reinhardt (Bund Heimat und Umwelt in Deutschland und LVR-Projekt geSCHICHTen), Silke Schatz (Künstlerin) und Bodo Middeldorf (Geschäftsführer Zukunftsagentur Rheinisches Revier), welche Rolle Kunst und Kultur im Strukturwandel spielen, wie sie zur politischen Bildung und Demokratiestärkung beitragen können und inwiefern Protestkultur als Ausdruck gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse Teil des kulturellen Erbes ist. Die Diskussion fand im Rahmen der mittlerweile vierten Pop-Up
Ausstellung „Begegnung und Bewegung an der Kante“ des Vereins Buirer für Buir statt. Circa 50 Gäste verfolgten die Diskussion im voll besetzten Nell-Breuning-Haus und beteiligten sich intensiv an den interaktiven Formaten im Anschluss.
„Es geht darum, diese Region so zu formen, dass Menschen hier gerne leben. Das ist ein sehr umfassendes Verständnis des Strukturwandels. Und dazu gehören selbstverständlich auch Kunst und Kultur“, fasste ZRR-Geschäftsführer Bodo Middeldorf auf dem Podium die Relevanz des Themas zusammen. „Transformationsprozesse sind immer mit Konflikten verbunden. Das ist nichts Schlimmes, sondern das gehört zu einer lebendigen Demokratie dazu. Das ist die Art, wie sich Gesellschaft weiterentwickelt, wie Fortschritt entsteht. Kultur ist immer Teil hiervon, der Ausdruck dieser Veränderungen ist immer kulturell. Deswegen ist es wichtig, Proteste auch als Teil des kulturellen Erbes zu verstehen und ernst zu nehmen“, so der Wissenschaftler Simon Teune während der Diskussion. Die freie Künstlerin Silke Schatz archiviert und dokumentiert den für den Braunkohletagebau Hambach zerstörten Ort Manheim-alt seit 2021. Zentraler Bestandteil ihrer Projekte „Manheim Calling“ und „Manheim recollected – Garten Eden“ ist der behutsame Umgang mit Natur und den Pflanzen. Auf dem Podium regte Schatz die Gründung eines Kuratoriums an, welches den Strukturwandel begleitet. Der Blick der Ethnologin Dr. Annette Schneiders ist geprägt von Wendeerfahrung und Strukturbruch. Sie hat ein Ausstellungskonzept für das Dokumentations- und Informationszentrum Garzweiler entwickelt und setzt sich für Multiperspektivität und eine ganzheitliche Erinnerungskultur ein, in der die Menschen und ihre Erfahrungen im Fokus stehen.
„Ich freue mich über die angeregte Debatte zum bisher im Strukturwandel wenig beachteten Thema Kunst und Kultur. Sie zeigte, dass die Zivilgesellschaft und die Bürger*innen mehr Mitsprache und Teilhabe am Strukturwandel benötigen. Die Aufarbeitung des Heimatverlustes von über 40.000 Menschen und der jahrzehntelangen Proteste im Rheinischen Revier sind sehr sensible Themen, die unter anderem im Rahmen von Besucherzentren, Museen und eigenen Orten mit Fingerspitzengefühl bearbeitet und
beheimatet werden müssen“, so die Landtagsabgeordnete Antje Grothus.

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