30.07.2026: Stellungnahme von Antje Grothus (MdL) zur Ansiedlung von Hyperscalern im Rahmen des Strukturwandels auf Anfrage des Kölner Stadtanzeigers anlässlich einer Pressemitteilung des BUND NRW

„Die Herausforderungen, vor denen wir bei den Hyperscalern stehen sind komplex: vom Flächenbedarf über den zusätzlichen hohen Energiebedarf, der nicht durch den Einsatz fossiler Energieträger gedeckt werden darf, damit wir unsere Klimaziele nicht gefährden; bis hin zum Blick auf den Umgang mit unserer knappen Ressource Wasser, zusätzliche lokale Belastungen und unsere  Datensouveränität.

Für einen langfristig erfolgreichen Strukturwandel braucht es beides: wirtschaftliche Attraktivität und sozial-ökologische Nachhaltigkeit.

Die Flächen, auf denen die Hyperscaler entstehen sollen, wurden auf Basis der Regionalpläne als strukturwandelrelevante Wirtschaftsflächen in eine Fokusliste aufgenommen und mit Mehrheit vom Aufsichtsrat der Zukunftsagentur beschlossen. Grundsätzlich müsste aufgrund der Flächenkonkurrenzen die – idealerweise interkommunale – Nachnutzung bereits versiegelter oder freiwerdender Flächen Vorrang vor der Inanspruchnahme landwirtschaftlich genutzter, unversiegelter Böden haben.

Ich sehe mit Sorge, dass die Flächensicherung für den dringend notwendigen Ökosystemverbund im Rheinischen Revier nicht im gleichen Maße wie die Ausweisung von Gewerbegebieten in die Umsetzung kommt. Dabei wäre es wichtig, jetzt beides entschlossen anzugehen und auch miteinander zu verzahnen. Denn eine starke Wirtschaft braucht eine intakte Natur. Gesunde Ökosysteme sichern Wasserverfügbarkeit, fruchtbare Böden, Klimastabilität und Artenvielfalt; und sind damit eine zentrale Grundlage wirtschaftlicher Wertschöpfung. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt von funktionierenden Ökosystemen abhängt. Gerade angesichts der Klimakrise können wir es uns nicht leisten, wirtschaftliche Entwicklung gegen den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen auszuspielen.

Zudem gilt es, die Rechenzentren nicht nur vollständig mit erneuerbaren Energien zu betreiben, sondern sie auch flächensparsam zu errichten, möglichst ressourcenschonend produzierte Komponenten einzusetzen und wertvolle Ressourcen wie Wasser sowie die entstehende Abwärme konsequent zu nutzen.

Hierzu haben die Grünen* in Bergheim bereits konstruktive Vorschläge gemacht, etwa mit der Idee einer Erftoase. Wichtig ist, dass die zuständige Kommune in den Ansiedlungsverhandlungen hohe Umweltstandards verbindlich festlegt und zeitnah eine entsprechende Wärmeplanung auf den Weg bringt.“

*Astrid Dahmen, Mitglied des Kreistags und Co-Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN in Bergheim hat immer wieder Vorschläge zur Nutzung der Abwärme der Microsoft Hyperscaler unterbreitet. Neben der Erftoase schlug sie vor, das Brühler Phantasialand solle für seine geplanten Hotel- und Wasserwelten nicht das Naturschutzgebiet Ententeich in Brühl in Anspruch nehmen, sondern in der Kreisstadt Bergheim bauen. Sie argumentierte, dass die Abwärme des geplanten Microsoft-Rechenzentrums die hohen Energiekosten des Parks senken und die Abwärme sinnvoll genutzt werden könne.

Link zum Artikel des BUND: https://www.bund-nrw.de/presse/detail/news/naturschutzverbaende-wehren-sich-gegen-geplanten-hyperscaler-im-rheinischen-revier/

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